Eine aktuelle Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Ergebnis, dass in Deutschland deutlich weniger Arbeitsplätze vom Export nach China abhängen als noch vor wenigen Jahren. Seit 2021 sei die Zahl dieser Stellen um etwa 40 Prozent zurückgegangen.
Im Jahr 2021, als die China-Nachfrage ihren Höhepunkt erreichte, standen hierzulande rund 1,1 Millionen Jobs direkt oder indirekt mit dem Endverbrauch in China in Verbindung. Trotz der großen absoluten Zahl entsprach das damals lediglich knapp 2,5 Prozent der insgesamt rund 45 Millionen Erwerbstätigen. Seitdem habe sich das Bild spürbar verändert: Der Absatz deutscher Exporte in China sei merklich eingebrochen. Das IW geht davon aus, dass bis 2025 mehr als 400.000 dieser Stellen wegfallen könnten.
Auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung verlieren Ausfuhren nach China an Bedeutung. Waren- und Dienstleistungsexporte nach China machten gemessen am deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2021 einen deutlich kleineren Anteil aus; dieser Anteil sei um gut 40 Prozent gesunken. Weil sich die Arbeitsproduktivität im gleichen Zeitraum kaum verändert habe, liege die Annahme nahe, dass der Anteil der China-abhängigen Jobs an allen Arbeitsplätzen in ähnlicher Größenordnung zurückging. Die Quote dürfte damit von knapp 2,5 Prozent im Jahr 2021 auf etwa 1,5 Prozent im Jahr 2025 fallen. Bezogen auf aktuell rund 46 Millionen Erwerbstätige entspreche das ungefähr 700.000 Arbeitsplätzen, die noch direkt oder indirekt am Endverbrauch in China hängen – rund 400.000 weniger als 2021.
Nach Einschätzung des IW war China selbst auf dem Höhepunkt des Exportbooms kein entscheidender Motor für die Beschäftigung in Deutschland; inzwischen habe die Relevanz des Landes für den deutschen Arbeitsmarkt deutlich abgenommen. Der IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes erklärte dazu, China verhalte sich im Wettbewerb zunehmend unfair und schade dadurch der deutschen Exportwirtschaft. Er führte aus, Peking verzerrte den Wettbewerb unter anderem durch Subventionen und eine aus seiner Sicht unterbewertete Währung und erschwere den Marktzugang zusätzlich über Hürden beim Verkauf vor Ort. Gleichzeitig gingen deutsche Ausfuhren zurück, weil China stärker auf Autarkie setze.
Zudem werde der Druck auf deutsche Unternehmen größer, den chinesischen Markt weniger über Exporte zu bedienen und stattdessen stärker über Produktion und Zulieferungen innerhalb Chinas zu liefern. Vor diesem Hintergrund sei es aus Sicht von Matthes konsequent, dass die Europäische Kommission den Zugang chinesischer Anbieter zum EU-Markt mit Blick auf faire Wettbewerbsbedingungen und gegenseitigen Marktzugang kritischer prüfe.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 12.02.2026
