Was Reichtum in Europa wirklich bedeutet

Nima

Gehaltsunterschiede in Europa
©Andrey Popov/stock.adobe.com

Ob jemand in Europa als wohlhabend gilt, hängt weniger vom Einkommen ab als vom Wohnort. Laut einer Untersuchung von BuchhaltungsButler und DataPulse Research variiert die Schwelle zum oberen Zehntel der Einkommensverteilung zwischen den Ländern erheblich. In Deutschland beginnt sie bei einem jährlichen Nettoeinkommen von 93.000 Euro.

Für die Analyse wurden Daten aus 30 europäischen Staaten ausgewertet. Grundlage war ein typischer Drei-Personen-Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren. Daraus wurde ermittelt, welches Einkommen nötig ist, um zu den 10 Prozent mit den höchsten Einkommen zu gehören. In Luxemburg liegt die Grenze bei rund 175.000 Euro, während in der Türkei bereits etwa 19.000 Euro genügen. Wird jedoch die Kaufkraft berücksichtigt, verringern sich diese Unterschiede deutlich.

Die Studie erscheint in einer Zeit, in der über die Einführung einer Vermögenssteuer erneut intensiv diskutiert wird. Während die Bundesregierung eine solche Steuer weiterhin ablehnt, liefert die Untersuchung einen Einblick, wie unterschiedlich Wohlstand in Europa verteilt ist – und dass Einkommen allein kein vollständiges Bild vermittelt.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Die Spannweite innerhalb Europas ist enorm: In Luxemburg zählen Haushalte ab 175.199 Euro jährlich zur Spitze, in Norwegen ab 117.319 Euro und in Dänemark ab 105.265 Euro. Am unteren Ende der Skala liegen Länder wie die Türkei (19.287 Euro), Serbien (20.518 Euro) und Rumänien (25.117 Euro).

Unter Einbezug der Kaufkraft verschieben sich die Relationen. So entspricht das luxemburgische Einkommen von 175.000 Euro real etwa 130.000 Euro, während 19.000 Euro in der Türkei eine Kaufkraft von rund 46.000 Euro bieten.

Deutschlands Position im europäischen Vergleich

Deutschland befindet sich im oberen Mittelfeld: Mit 93.000 Euro Nettojahreseinkommen gehört ein Haushalt zu den 10 Prozent mit den höchsten Einkommen. Das liegt über dem europäischen Durchschnitt von 71.000 Euro, aber deutlich unter den Spitzenwerten in Nordeuropa. Nach Anpassung an die Kaufkraft können sich Haushalte in Deutschland jedoch im Alltag mehr leisten als vergleichbare Gruppen in Ländern mit höheren Durchschnittseinkommen, da die Lebenshaltungskosten dort oft höher sind.

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Einkommensschere und Ungleichheit

In vielen Ländern verdienen die obersten 10 Prozent mehr als doppelt so viel wie ein durchschnittlicher Haushalt. Besonders groß ist der Abstand in der Türkei (215 Prozent), während er in der Slowakei mit 65 Prozent am geringsten ausfällt. In Deutschland beträgt die Differenz etwa 111 Prozent.

In mehreren Staaten konzentriert sich ein erheblicher Teil des nationalen Einkommens auf das oberste Zehntel – in der Türkei sind es 36 Prozent, in Bulgarien 30 Prozent und in Lettland sowie Litauen jeweils 26 Prozent. Deutschland liegt auch hier im Mittelfeld.

Wirtschaftlicher Hintergrund

Die Untersuchung verdeutlicht, dass Einkommens- und Vermögensunterschiede in Europa die wirtschaftliche Stabilität und Handlungsfähigkeit des Kontinents beeinflussen. Während Bundeskanzler Friedrich Merz die Vermögenssteuer mit dem Hinweis auf mögliche negative Folgen für die Produktivität ablehnt, wächst europaweit der Druck, gerechtere Steuerstrukturen zu schaffen. Die Studie legt nahe, dass Wohlstand und Chancen nach wie vor sehr ungleich verteilt sind.

Datengrundlage

Die Analyse basiert auf Eurostat-Daten aus dem Jahr 2024 zu verfügbaren Nettoeinkommen nach Steuern und Abgaben. Diese wurden an die Haushaltsgröße und Kaufkraft angepasst und auf einen Drei-Personen-Haushalt skaliert. Die Einkommensgrenze der obersten 10 Prozent dient in der Ungleichheitsforschung als etablierter Referenzwert, da sie ein realistisches Bild der oberen Einkommensschichten vermittelt, ohne von Extremwerten verzerrt zu werden.

Die komplette Studie mit interaktiven Visualisierungen ist unter
www.buchhaltungsbutler.de/studie-reich-in-europa abrufbar.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von BuchhaltungsButler GmbH/Veröffentlicht am 04.11.2025