US-Importabhängigkeit von der EU gibt Europa Verhandlungsspielraum

Nima

Handelskrieg USA - Europa
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Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), gefördert vom Auswärtigen Amt, macht deutlich: Die Vereinigten Staaten sind bei zentralen Importgütern stärker auf Europa angewiesen, als es bislang vermutet wurde. Besonders bei chemischen Produkten und Maschinen lässt sich die europäische Lieferkette kurzfristig kaum ersetzen. Für die EU ergibt sich daraus die Möglichkeit, in künftigen Zollverhandlungen deutlich selbstbewusster aufzutreten – auch gegenüber den Drohungen aus Washington.

Im Jahr 2024 kamen in über 3.100 Warengruppen mindestens die Hälfte der US-Importe aus der EU. Der Gesamtwert dieser Einfuhren belief sich auf rund 290 Milliarden US-Dollar. Nahezu 46 Prozent davon betreffen Produkte, bei denen Alternativen außerhalb Europas schwer zu finden sind.

Schlüsselprodukte ohne schnelle Alternativen

Besonders groß ist die Abhängigkeit in Sektoren, in denen die USA seit mindestens fünf Jahren mehr als die Hälfte der Importe aus Europa beziehen und die selbst industriell geprägt sind. Dazu zählen unter anderem:

  • Chemische und verwandte Erzeugnisse: Hier erreichten die US-Importe aus der EU einen Wert von über 47 Milliarden US-Dollar. Bei einzelnen Produkten wie bestimmten Hormonen stammt nahezu der gesamte Import aus Europa. Auch Insulinpräparate werden zu fast 90 Prozent von dort bezogen.

  • Maschinen und elektrotechnische Waren: Produkte wie Frontschaufellader, Blasformmaschinen oder Leistungsschalter summieren sich auf knapp 16 Milliarden US-Dollar.

  • Unedle Metalle und Metallwaren: In diesem Bereich importieren die USA Waren im Wert von über fünf Milliarden US-Dollar aus der EU. Bestimmte Metallhalbzeuge erreichen dabei einen europäischen Anteil von rund 72 Prozent.

EU mit gestärkter Position gegenüber Washington

Die IW-Experten betonen, dass die USA bei vielen zentralen Gütern nur schwer auf andere Handelspartner ausweichen können. Selbst gegenüber China hat Europa mittlerweile einen Vorsprung, da die Vereinigten Staaten ihre Abhängigkeit von Peking verringern wollen. Für die EU bedeutet das, dass sie Handelskonflikten mit den USA künftig mit mehr Gelassenheit und Durchsetzungskraft begegnen kann.

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Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/ Veröffentlicht am 18.09.2025