Selbstständigkeit: Unterschätztes Potenzial bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte

Nima

Selbstständigkeit
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Menschen mit Einwanderungsgeschichte nehmen Selbstständigkeit in Deutschland häufiger als weniger angesehen wahr als eine Festanstellung. Diese Einschätzung wirkt sich bremsend auf die Bereitschaft aus, konkrete Schritte in Richtung Gründung zu gehen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzstudie von KfW Research. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die grundsätzliche Neigung zur Selbstständigkeit in dieser Bevölkerungsgruppe überdurchschnittlich hoch ist. Betrachtet man Personen in Deutschland, die bislang weder selbstständig waren noch konkrete Gründungsabsichten hatten, kann sich im langjährigen Mittel knapp ein Drittel eine eigene Existenz vorstellen. Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt dieser Anteil deutlich höher. In die Definition fallen Personen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland zugewandert sind.

Andere Hemmnisse wie finanzielle Unsicherheiten, administrative Anforderungen oder die Sorge um berufliche Stabilität werden von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte insgesamt als noch schwerwiegender eingeschätzt. Dennoch fällt auf, dass das gesellschaftliche Bild von Gründerinnen und Gründern bei Personen mit Einwanderungsgeschichte besonders häufig als Hindernis genannt wird. Ihr Anteil liegt hier spürbar über dem der Gesamtbevölkerung.

Der Chefvolkswirt der KfW macht deutlich, dass das Gründerimage nicht das ausschlaggebende Argument gegen eine Existenzgründung sei. Vielmehr existierten zahlreiche weitere Hürden, die für alle Bevölkerungsgruppen relevant seien. Zugleich betont er, dass das Interesse an einer Gründung gerade bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte hoch sei und dieses vorhandene Potenzial stärker genutzt werden könne. Dafür sei es aus seiner Sicht notwendig, das gesellschaftliche Ansehen von Selbstständigkeit zu stärken und diese bereits im Bildungssystem als gleichwertige Erwerbsform zur abhängigen Beschäftigung zu vermitteln.

Der KfW-Gründungsmonitor zeigt zudem, dass rund 27 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte der ersten oder zweiten Generation haben. Unter den Gründerinnen und Gründern lag ihr Anteil im Jahr 2024 mit 30 Prozent etwas höher und damit nur geringfügig über dem langjährigen Durchschnitt. Bezogen auf insgesamt 585.000 Existenzgründungen entspricht dies etwa 178.000 Gründungen durch Personen mit Einwanderungsgeschichte.

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Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von KfW/Veröffentlicht am 09.01.2026