Selbstständigkeit: Unterschätztes Potenzial bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte

Nima

Selbstständigkeit
©Martí Rosselló/stock.adobe.com

Menschen mit Einwanderungsgeschichte nehmen Selbstständigkeit in Deutschland häufiger als weniger angesehen wahr als eine Festanstellung. Diese Einschätzung wirkt sich bremsend auf die Bereitschaft aus, konkrete Schritte in Richtung Gründung zu gehen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzstudie von KfW Research. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die grundsätzliche Neigung zur Selbstständigkeit in dieser Bevölkerungsgruppe überdurchschnittlich hoch ist. Betrachtet man Personen in Deutschland, die bislang weder selbstständig waren noch konkrete Gründungsabsichten hatten, kann sich im langjährigen Mittel knapp ein Drittel eine eigene Existenz vorstellen. Bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte liegt dieser Anteil deutlich höher. In die Definition fallen Personen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland zugewandert sind.

Die Studie definiert Menschen mit Einwanderungsgeschichte als Personen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland zugewandert sind. Diese Einordnung ist wichtig, weil sie die Ergebnisse besser verständlich macht und die Gruppe klar von der allgemeinen Bevölkerung abgrenzt.

Was die Studie unter Einwanderungsgeschichte versteht

Die verwendete Definition hilft, die Aussagen korrekt einzuordnen: Gemeint sind nicht nur selbst zugewanderte Personen, sondern auch Menschen der zweiten Generation. Damit wird deutlich, warum die Ergebnisse sowohl für direkte Gründungsinteressierte als auch für familiengeprägte Erwerbsbiografien relevant sind.

Andere Hemmnisse wie finanzielle Unsicherheiten, administrative Anforderungen oder die Sorge um berufliche Stabilität werden von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte insgesamt als noch schwerwiegender eingeschätzt. Dennoch fällt auf, dass das gesellschaftliche Bild von Gründerinnen und Gründern bei Personen mit Einwanderungsgeschichte besonders häufig als Hindernis genannt wird. Ihr Anteil liegt hier spürbar über dem der Gesamtbevölkerung.

Andere Hemmnisse wie finanzielle Unsicherheiten, administrative Anforderungen oder die Sorge um berufliche Stabilität werden von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte insgesamt als noch schwerwiegender eingeschätzt. Dennoch fällt auf, dass das gesellschaftliche Bild von Gründerinnen und Gründern bei Personen mit Einwanderungsgeschichte besonders häufig als Hindernis genannt wird. Ihr Anteil liegt hier spürbar über dem der Gesamtbevölkerung.

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Warum die Selbstständigkeit trotz hoher Gründungsneigung gebremst wird

Die Studie zeigt damit ein Spannungsfeld: Das Interesse an Gründung ist vorhanden, doch die Entscheidung fällt oft zurück, wenn Selbstständigkeit im Umfeld als unsicher, wenig anerkannt oder riskant wahrgenommen wird. Genau an dieser Stelle unterscheiden sich reine Gründungsabsicht und tatsächliche Umsetzung.

Typische Bremsfaktoren im Überblick

  • finanzielle Unsicherheit und fehlende Planungssicherheit
  • administrative Hürden und organisatorischer Aufwand
  • Sorge um Stabilität und Absicherung
  • geringes Ansehen von Selbstständigkeit im sozialen Umfeld

Der Chefvolkswirt der KfW macht deutlich, dass das Gründerimage nicht das ausschlaggebende Argument gegen eine Existenzgründung sei. Vielmehr existierten zahlreiche weitere Hürden, die für alle Bevölkerungsgruppen relevant seien. Zugleich betont er, dass das Interesse an einer Gründung gerade bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte hoch sei und dieses vorhandene Potenzial stärker genutzt werden könne. Dafür sei es aus seiner Sicht notwendig, das gesellschaftliche Ansehen von Selbstständigkeit zu stärken und diese bereits im Bildungssystem als gleichwertige Erwerbsform zur abhängigen Beschäftigung zu vermitteln.

Der Chefvolkswirt der KfW macht deutlich, dass das Gründerimage nicht das ausschlaggebende Argument gegen eine Existenzgründung sei. Vielmehr existierten zahlreiche weitere Hürden, die für alle Bevölkerungsgruppen relevant seien. Zugleich betont er, dass das Interesse an einer Gründung gerade bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte hoch sei und dieses vorhandene Potenzial stärker genutzt werden könne. Dafür sei es aus seiner Sicht notwendig, das gesellschaftliche Ansehen von Selbstständigkeit zu stärken und diese bereits im Bildungssystem als gleichwertige Erwerbsform zur abhängigen Beschäftigung zu vermitteln.

Was das für Bildung, Beratung und Gründungsförderung bedeutet

Für die Praxis heißt das: Information allein reicht nicht aus. Wer Gründungsinteresse fördern will, muss Selbstständigkeit als realistische Option sichtbarer machen, Vorbehalte im Umfeld adressieren und Wege in die Gründung verständlich erklären. Besonders hilfreich sind dabei niedrigschwellige Angebote, die sowohl finanzielle Fragen als auch organisatorische Unsicherheiten aufgreifen.

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Worauf Unterstützungsangebote eingehen sollten

  • verständliche Erklärung der ersten Gründungsschritte
  • Orientierung zu finanziellen und organisatorischen Fragen
  • Abbau von Vorbehalten gegenüber Selbstständigkeit
  • Vermittlung von Selbstständigkeit als gleichwertige Erwerbsform

Der KfW-Gründungsmonitor zeigt zudem, dass rund 27 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte der ersten oder zweiten Generation haben. Unter den Gründerinnen und Gründern lag ihr Anteil im Jahr 2024 mit 30 Prozent etwas höher und damit nur geringfügig über dem langjährigen Durchschnitt. Bezogen auf insgesamt 585.000 Existenzgründungen entspricht dies etwa 178.000 Gründungen durch Personen mit Einwanderungsgeschichte.

Der KfW-Gründungsmonitor zeigt zudem, dass rund 27 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte der ersten oder zweiten Generation haben. Unter den Gründerinnen und Gründern lag ihr Anteil im Jahr 2024 mit 30 Prozent etwas höher und damit nur geringfügig über dem langjährigen Durchschnitt. Bezogen auf insgesamt 585.000 Existenzgründungen entspricht dies etwa 178.000 Gründungen durch Personen mit Einwanderungsgeschichte.

Vergleich mit der Gesamtbevölkerung und Einordnung der Zahlen

Der kleine Abstand zwischen Bevölkerungsanteil und Gründeranteil zeigt: Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind im Gründungsgeschehen bereits gut vertreten. Gleichzeitig deutet die höhere Gründungsneigung darauf hin, dass weiteres Potenzial vorhanden ist, das bislang nicht vollständig in tatsächliche Gründungen übersetzt wird.

Für die Einordnung ist außerdem wichtig, zwischen Gründungsinteresse, Gründungsabsicht und tatsächlicher Umsetzung zu unterscheiden. Gerade in dieser Lücke liegt der zentrale Ansatzpunkt des Beitrags.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von KfW/ Veröffentlicht am 09.01.2026. Der Text wurde von uns redaktionell bearbeitet, eingeordnet und um eigene Recherchen ergänzt.

FAQ: Selbstständigkeit und Einwanderungsgeschichte

Warum denken Menschen mit Einwanderungsgeschichte häufiger über Selbstständigkeit nach?

Der Beitrag zeigt, dass die grundsätzliche Gründungsneigung in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch ist. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass Selbstständigkeit als realistische berufliche Option wahrgenommen wird.

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Was bremst die Gründung am stärksten?

Neben finanziellen und administrativen Hürden spielt vor allem das gesellschaftliche Ansehen von Selbstständigkeit eine wichtige Rolle. Wenn Gründung im Umfeld als weniger angesehen gilt, sinkt die Bereitschaft, konkrete Schritte zu gehen.

Ist das Problem nur bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte vorhanden?

Nein. Viele Hemmnisse werden von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte ähnlich bewertet. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass das Gründerimage bei Menschen mit Einwanderungsgeschichte häufiger als Hürde genannt wird.

Was wäre ein sinnvoller Ansatz zur Förderung von Gründungen?

Hilfreich sind laut Beitrag mehr gesellschaftliche Anerkennung, bessere Sichtbarkeit von Selbstständigkeit und eine frühe Vermittlung im Bildungssystem.

Typische Missverständnisse zur Selbstständigkeit

  • Missverständnis: Wer gründen will, braucht nur genug Motivation.
    Einordnung: Der Beitrag zeigt, dass Motivation vorhanden sein kann, aber Wahrnehmung, Umfeld und Hürden die Umsetzung beeinflussen.
  • Missverständnis: Das Gründerimage ist das einzige Problem.
    Einordnung: Es ist ein wichtiger Faktor, steht aber neben finanziellen, administrativen und stabilitätsbezogenen Hürden.
  • Missverständnis: Selbstständigkeit ist nur für eine kleine Gruppe relevant.
    Einordnung: Die Zahlen deuten auf eine breite Relevanz und ein bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial hin.