Klimaneutrale Transformation: Milliardenbedarf trifft auf Eigenkapitalgrenzen der Banken

Nima

Frankfurt am Main, Skyline
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Private Unternehmen müssen für den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft bis 2045 Investitionen in Milliardenhöhe stemmen. Eine Studie von Forschenden am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt jedoch, dass die Finanzierung an den Eigenkapitalvorgaben der Banken ins Stocken geraten könnte.

Um die zusätzliche Kreditnachfrage für die Transformation abzusichern, müssten europäische Kreditinstitute nach den aktuell geltenden Regeln bis 2045 rund 867 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital aufbauen. Laut der IW-Analyse, die im Auftrag des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) erstellt wurde, entspräche das einem Plus von etwa 44 Prozent. Würde das Eigenkapital dagegen auf dem heutigen Stand bleiben, fiele die Eigenkapitalquote von 19,3 Prozent im Jahr 2024 auf 13,5 Prozent im Jahr 2045.

Enorme Investitionsbedarfe, besonders im Gebäudebereich

Auslöser sind die hohen Investitionsanforderungen der kommenden Jahre. Für Industrie, Verkehr und Energie kalkuliert das IW mit einem jährlichen Bedarf von rund 819 Milliarden Euro. Im Gebäudesektor sieht die Studie bis 2045 zusätzliche Investitionen von etwa 435 Milliarden Euro pro Jahr vor – unter anderem für energetische Sanierungen und Wohnungsneubau. Da ein großer Teil dieser Summen kreditfinanziert sein dürfte, müssten Banken ihre Risikoaktiva allein in diesem Feld jährlich um ungefähr 214 Milliarden Euro ausweiten.

Regulierung erhöht den Druck zusätzlich

Neben dem Transformationsbedarf verschärft auch die Bankenregulierung die Situation. Durch die Umsetzung des europäischen Bankenpakets entsteht laut Studie ein zusätzlicher Eigenkapitalbedarf von 129 bis 135 Milliarden Euro. Diese Vorgaben sollen das Finanzsystem widerstandsfähiger machen – gleichzeitig verweisen Politik und Aufsicht nach Darstellung der Studie darauf, dass europäische Banken bereits heute als stabil gelten.

EU vor Balanceakt zwischen Stabilität und Finanzierung

IW-Finanzmarktexperte Markus Demary ordnet die Ergebnisse als schwierigen Spagat ein und wird in indirekter Rede damit wiedergegeben, dass die strenge Eigenkapitalregulierung in den Krisen der vergangenen Jahre grundsätzlich wirksam gewesen sei und die Banken solide kapitalisiert seien. Zugleich mache er deutlich, dass Reformen nötig würden, damit die Dekarbonisierung nicht ausgebremst werde.

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Schon jetzt würden Kreditnehmer vermehrt auf alternative Anbieter außerhalb des Bankensektors ausweichen. Weil diese Akteure weniger stark reguliert seien, könnten daraus neue Risiken für die Finanzstabilität entstehen. Als mögliche Ansätze nennt die Studie unter anderem die Überprüfung einzelner Kapitalpuffer, den Verzicht auf zusätzliche Verschärfungen bei der Basel-III-Umsetzung sowie einen Abbau bürokratischer Anforderungen in der Nachhaltigkeitsregulierung.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 29.01.2026