Der Spitzensteuersatz trifft in Deutschland nach einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft inzwischen deutlich früher als noch vor zwanzig Jahren. Während er im Jahr 2005 erst ab dem Doppelten des durchschnittlichen Bruttogehalts galt, greift er heute bereits beim 1,4-Fachen des Durchschnittslohns. Bei Vollzeitbeschäftigten liegt die Schwelle laut IW sogar nur noch beim 1,1-Fachen des Bruttogehalts.
Die Untersuchung zeigt damit, dass längst nicht mehr nur sehr hohe Einkommen vom Spitzensteuersatz betroffen sind. Nach Ansicht der Autoren ist die Steuerbelastung für Beschäftigte seit Einführung der heutigen Tarifregelungen im Jahr 2006 deutlich gestiegen, obwohl der Bund seither keine klassische Einkommensteuererhöhung beschlossen hat.
Ein zentraler Grund dafür ist aus Sicht des IW der sogenannte Mittelstandsbauch. Gemeint ist damit der steile Anstieg des Steuertarifs direkt nach dem Grundfreibetrag. Wer etwas mehr verdient, rutscht dadurch vergleichsweise schnell in hohe Grenzsteuersätze. Weil die Tarifstufen seit 2006 nicht im gleichen Maß wie die Reallöhne angepasst wurden, trifft dieser Effekt heute auch viele Durchschnittsverdiener.
Das zeigt sich laut Studie auch an den Staatseinnahmen. Während sich die gesamte Lohnsumme seit 2006 gut verdoppelt habe, seien die Einnahmen des Bundes aus der Einkommensteuer auf das 2,65-Fache gestiegen.
Das IW hat deshalb auch berechnet, was verschiedene Reformmodelle kosten würden. Die größte Entlastung wäre die vollständige Abschaffung des Mittelstandsbauchs. Das wäre laut Studie zugleich die teuerste Variante: Dem Staat würden dadurch rund 68 Milliarden Euro an Einnahmen entgehen.
Als realistischere Variante nennt die Studie eine moderate Reform. Wenn die Tarifeckwerte spürbar verschoben würden und der Spitzensteuersatz erst ab 80.000 statt 70.000 Euro einsetzte, würde das rund 21 Milliarden Euro kosten. Normalverdiener hätten dann einen mittleren dreistelligen Betrag pro Jahr mehr zur Verfügung. Würde zusätzlich auch der Grundfreibetrag entsprechend dem Existenzminimum angehoben, läge die Entlastung bei gut 24 Milliarden Euro.
Eine deutlich kleinere Maßnahme wäre nach Berechnung des IW lediglich der Ausgleich der kalten Progression für dieses Jahr. Damit würde nur die versteckte Steuererhöhung durch inflationsbedingte Lohnanstiege abgefedert. Die Kosten dafür lägen bei rund acht Milliarden Euro.
Aus Sicht des IW schwächt der heutige Tarif die Arbeitsanreize. Wenn von einem zusätzlichen Euro Lohn durch Steuern und Sozialabgaben zum Teil mehr als die Hälfte beim Staat lande, lohne sich Mehrarbeit für viele kaum. IW-Ökonom Tobias Hentze spricht deshalb von einem Einkommensteuertarif, der Leistung bestrafe.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine vollständige Abschaffung des Mittelstandsbauchs politisch und finanziell kaum umsetzbar sei. Ein reiner Inflationsausgleich wiederum reiche nicht aus, um das Grundproblem zu lösen. Als sinnvollsten Weg sehen sie deshalb eine Reform, die mittlere Einkommen spürbar entlastet und den Spitzensteuersatz später greifen lässt.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 30.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.
