Nach drei Jahren mit Rezession und Stillstand dürfte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 wieder leicht zulegen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet in seiner aktuellen Konjunkturprognose mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von knapp einem Prozent. Von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch keine Rede sein.
Auch im kommenden Jahr wirken externe Belastungsfaktoren bremsend. Eine schwache globale Konjunktur sowie anhaltend unsichere Handelsbeziehungen dämpfen die wirtschaftliche Dynamik. Zwar wird mit einer moderaten Belebung der Investitionstätigkeit gerechnet, doch bleibt die Wachstumsqualität begrenzt. Zudem ist ein erheblicher Teil des prognostizierten Zuwachses rein statistisch bedingt: Da mehrere Feiertage auf Wochenenden fallen, erhöht sich die Zahl der Arbeitstage um rund zwei Tage, was etwa ein Drittel des Wachstums erklärt.
Im Einzelnen zeigt sich folgendes Bild:
Der Außenhandel leidet weiterhin unter den unsicheren globalen Rahmenbedingungen. Die Weltwirtschaft dürfte nur um rund zwei Prozent wachsen, der Welthandel sogar lediglich um etwa 1,5 Prozent. Die deutschen Exporte entwickeln sich schwächer als der internationale Durchschnitt und erreichen voraussichtlich kaum mehr als das niedrige Niveau des Vorjahres.
Während staatliche Investitionen im Jahresverlauf Impulse setzen, bleiben private Investitionen zurückhaltend. Zusammengenommen steuern beide Investitionsarten etwa einen halben Prozentpunkt zum Wirtschaftswachstum bei. Besonders im Wohnungsbau sorgen neue Maßnahmen der Bundesregierung für etwas mehr Dynamik. Die Bauinvestitionen steigen voraussichtlich um 1,5 Prozent, wobei vor allem der Tiefbau sowie der öffentliche Nichtwohnungsbau von zusätzlichen Mitteln aus dem Infrastruktur-Sondervermögen profitieren.
Der private Konsum entwickelt sich trotz stabiler Inflationsrate von rund zwei Prozent nur schleppend. Preisbereinigt wird lediglich ein Zuwachs von etwa einem Prozent erwartet. Ausschlaggebend sind unsichere Beschäftigungsperspektiven, die viele Haushalte zu einer vorsichtigen Ausgabenpolitik veranlassen.
Am Arbeitsmarkt zeichnet sich kaum Bewegung ab. Die Zahl der Arbeitslosen bleibt bei etwa drei Millionen, und auch die Erwerbstätigkeit verändert sich bis Ende 2026 kaum. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe setzt sich der Stellenabbau fort. Nach Ergebnissen der IW-Konjunkturumfrage planen rund 40 Prozent der Industrieunternehmen, im Jahr 2026 Arbeitsplätze zu reduzieren.
Eine grundlegende Wende ist damit nicht absehbar. Nach Einschätzung des IW reicht das erwartete Wachstum nicht aus, um die wirtschaftlichen Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Die deutsche Wirtschaft stehe angesichts geopolitischer Risiken, des technologischen Umbruchs und des demografischen Wandels vor tiefgreifenden Anpassungsprozessen, die Zeit erfordern. Entsprechend sei auch in den kommenden Jahren mit erheblichen Herausforderungen zu rechnen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 05.12.2025
