Industrie verlagert zunehmend Wertschöpfung ins Ausland

Nima

Metallindustrie
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Die jüngste Zollpolitik hat den Trend zur Verlagerung industrieller Aktivitäten aus Deutschland weiter beschleunigt. Laut der aktuellen Ausgabe des Supply Chain Pulse Check von Deloitte und dem Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) berichten deutlich mehr Unternehmen als noch vor zwei Jahren, große Teile ihrer Wertschöpfung ins Ausland verlegt zu haben. Inzwischen gibt nahezu ein Fünftel der Betriebe an, nicht länger in Deutschland zu produzieren, was einem Anstieg um acht Prozentpunkte entspricht. Auch andere Bereiche sind zunehmend betroffen: 17 Prozent haben ihre Entwicklungsabteilungen ins Ausland verlegt, 13 Prozent ihre Forschung und 18 Prozent die Endmontage. In allen Kategorien liegen die Werte spürbar über denen des Jahres 2023.

Dieser Prozess dürfte sich weiter verstärken, da ein wachsender Anteil der Unternehmen zusätzliche Verlagerungen plant. In den kommenden zwei bis drei Jahren beabsichtigen 43 Prozent der Befragten, ihre Produktion neu auszurichten; bei einer vergleichbaren Erhebung zwei Jahre zuvor lag der Wert bei 33 Prozent. Rund 30 Prozent planen, ihre Entwicklung ins Ausland zu verlagern, während 35 Prozent Forschungseinheiten künftig nicht mehr in Deutschland sehen. Ähnliche Tendenzen zeigen sich auch bei typischen Unternehmensfunktionen wie Einkauf, Vertrieb und Marketing.

Für die aktuelle Untersuchung wurden im September und Oktober 148 Verantwortliche aus Lieferketten des produzierenden Gewerbes befragt, insbesondere aus den Branchen Automobil, Technologie, Maschinenbau, Energie und Chemie.

Die bevorzugten Zielländer für Abwanderungen liegen hauptsächlich in Europa, gefolgt von den USA und Asien ohne China. Gleichzeitig nennen einige Unternehmen China und Indien als weitere Standorte. Fachleute weisen darauf hin, dass niedrigere Kosten im Ausland nicht zwangsläufig zu größerer Stabilität führen. So wird darauf verwiesen, dass ein vermeintlich günstiger Standort seinen Vorteil schnell verlieren könne, wenn es dort zu Lieferunterbrechungen komme. Rückverlagerungen nach Europa, vor allem aus China und den USA, fanden jedoch bislang nur vereinzelt statt.

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Parallel zu diesen Entwicklungen treten Schwachstellen der globalen Lieferketten deutlich zutage. Angesichts zunehmenden Protektionismus müssen Unternehmen erheblichen Aufwand betreiben, um ihre Versorgung abzusichern. Über die Hälfte der Firmen verzeichnet höhere Ausgaben in diesem Bereich, und viele berichten von gestiegenen Beschaffungs- und Verwaltungskosten sowie sinkenden Margen.

Künstliche Intelligenz gilt zwar als vielversprechendes Instrument zur Optimierung von Lieferketten und zur Verbesserung des Bestandsmanagements. Viele Unternehmen sehen in ihr zudem ein großes Potenzial zur Effizienzsteigerung und besseren Entscheidungsfindung. Dennoch setzen weniger als die Hälfte der Befragten Technologien zur Früherkennung von Lieferengpässen ein, und nur ein kleinerer Teil nutzt KI bereits aktiv zur Planung der Lieferketten. Fachleute betonen, dass umfassend digitalisierte und vielfältiger aufgestellte Lieferketten entscheidend seien, um Produktionsausfälle und Engpässe zu vermeiden und die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen langfristig zu sichern.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Deloitte/Veröffentlicht am 27.11.2025