Freie Berufe fordern stärkeres Fremdbesitzverbot

Nima

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In einer von der Bundessteuerberaterkammer angestoßenen gemeinsamen Erklärung positionieren sich bedeutende Organisationen der Freien Berufe gegen die wachsenden Aktivitäten kapitalstarker, international agierender Finanzinvestoren in Deutschland. Vor den Beratungen im Finanzausschuss des Bundesrates am 19. Februar 2026 zum Neunten Steuerberatungsänderungsgesetz (9. StBÄndG) richten die Unterzeichner ihren Appell an den Gesetzgeber. Sie verlangen, das Fremdbesitzverbot für Freie Berufe deutlich zu festigen.

Kern der Kritik sind Umgehungsmodelle, durch die berufsfremde Investoren über Beteiligungen, Kettenstrukturen oder Holdingkonstruktionen faktisch Einfluss auf die Berufsausübung erhalten. Aus Sicht der Unterzeichner bedroht das die Unabhängigkeit der Freien Berufe – und damit zugleich den Verbraucherschutz in besonders sensiblen Feldern wie Steuerberatung, Recht, Gesundheit und weiteren freien Professionen.

Der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Hartmut Schwab, macht deutlich, dass Ratsuchende bei Steuerberatern, Ärztinnen, Rechtsanwälten, Ingenieurinnen und anderen Freien Berufen unabhängige Beratung erwarten und keine im Hintergrund wirkenden Renditevorgaben. Dieses Vertrauen sei besonders schützenswert und dürfe nicht zum Objekt internationaler Finanzinteressen werden.

Kritisiert wird zudem, dass der Regierungsentwurf des 9. StBÄndG keine ausreichende Absicherung des Fremdbesitzverbots vorsieht. Deshalb sehen die Unterzeichner nun den Bundesrat in der Verantwortung, die Grundsätze von Unabhängigkeit und Eigenverantwortung der Steuerberaterinnen und Steuerberater zu stärken. Dabei gehe es auch um den Erhalt regionaler Strukturen sowie um die Zukunft eines Berufsstands, der für die Länder eine zentrale Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Steuerverwaltung bildet.

Schwab unterstreicht außerdem, dass Freie Berufe Verantwortung gegenüber Menschen tragen und nicht gegenüber Fondsrenditen. Wer ihre Unabhängigkeit abschwäche, gefährde langfristig den hohen Vertrauensvorschuss, der die Arbeit dieser Berufsgruppen prägt. Gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen gelte es, eine tragende Säule von Rechtsstaat, Wirtschaft und Gemeinwohl zu schützen.

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Die Unterzeichner fordern den Gesetzgeber nachdrücklich auf, laufende Gesetzgebungsverfahren zu nutzen, um das Fremdbesitzverbot verlässlich zu sichern. Konkret richten sie sich an die Landesregierungen: Mit Blick auf das Votum zum 9. StBÄndG am 6. März 2026 im Bundesrat sollen sie das Fremdbesitzverbot konsequent stärken und Umgehungskonstruktionen wirksam unterbinden. Das dazugehörige Statement trägt den Titel „Fremdbesitz stärken – Umgehungen verhindern“.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Bundessteuerberaterkammer (BStBK)/Veröffentlicht am 16.02.2026