Dienstleistungshandel im Fokus: Europas Optionen im Konflikt mit den USA

Nima

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Im Streit um Handelsfragen zwischen den USA und der EU rücken zunehmend Maßnahmen ins Blickfeld, die den Dienstleistungssektor betreffen. Eine Analyse zeigt jedoch, dass neue Hürden in diesem Bereich für beide Wirtschaftsräume spürbare Nachteile hätten.

Eine Untersuchung des Institut der deutschen Wirtschaft, gefördert vom Auswärtigen Amt und auf Daten der OECD gestützt, kommt zu dem Ergebnis, dass eine Ausdehnung des Konflikts auf Dienstleistungen erhebliche Schäden auf beiden Seiten verursachen würde. Der Grund liegt in der engen wirtschaftlichen Verflechtung: Im Jahr 2023 bezog die EU Dienstleistungen aus den USA im Wert von rund 349 Milliarden US-Dollar, während sie Leistungen im Umfang von etwa 255 Milliarden US-Dollar in die Vereinigten Staaten lieferte. Damit sind sich beide Wirtschaftsräume im Dienstleistungssektor mit großem Abstand die wichtigsten Partner.

Der EU-Markt als Schlüssel für US-Anbieter

Besonders intensiv ist der Austausch in mehreren zentralen Bereichen. Rund die Hälfte der US-Einnahmen aus Gebühren für die Nutzung geistigen Eigentums – etwa Softwarelizenzen, Patente oder Markenrechte – entfällt auf Europa. Das entspricht einem Volumen von etwa 96 Milliarden US-Dollar. Auch bei Forschungs- und Entwicklungsleistungen sowie bei Beratungsdiensten ist der europäische Anteil an den US-Exporten hoch und bewegt sich zwischen gut einem Drittel und knapp der Hälfte.

Umgekehrt ist auch Europa stark auf Dienstleistungen aus den Vereinigten Staaten angewiesen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Gebühren für geistiges Eigentum: Nahezu 68 Prozent dieser Importe stammen aus den USA, ebenfalls mit einem Wert von rund 96 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus nehmen US-Unternehmen bei Forschungs- und Entwicklungsleistungen sowie bei Beratungsangeboten eine zentrale Rolle ein. Auch im Bereich der Finanzdienstleistungen sind die Abhängigkeiten relevant: Hier kommen etwa 34 Prozent der EU-Importe aus den Vereinigten Staaten, was einem Wert von 38 Milliarden US-Dollar entspricht.

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Digitale Abgaben als mögliches Instrument

Nach Einschätzung von IW-Expertin Samina Sultan sind die gegenseitigen Abhängigkeiten so groß, dass ein verschärfter Handelskonflikt im Dienstleistungsbereich beiden Seiten erheblich schaden würde. Europäische Unternehmen seien auf den Zugang zu US-Dienstleistungen angewiesen, während US-Technologiekonzerne den europäischen Markt kaum ersetzen könnten. Auch wenn einzelne Zollandrohungen zuletzt zurückgenommen wurden, bleibe die Handelspolitik der USA schwer kalkulierbar. Europa müsse daher auf mögliche neue Eskalationen vorbereitet sein. In diesem Zusammenhang könne etwa eine Abgabe auf digitale Werbeleistungen ein praktikables Mittel darstellen, um auf handelspolitischen Druck zu reagieren.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 23.01.2026