Deutschland hat im Jahr 2024 erneut mehr in den EU-Haushalt eingezahlt, als es zurückerhielt. Nach einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft bleibt Deutschland trotz wirtschaftlicher Schwäche das Land mit dem höchsten Nettobeitrag innerhalb der Europäischen Union. Seit 2022 sind die deutschen Nettozahlungen infolge der konjunkturellen Entwicklung um etwa ein Drittel gesunken und liegen nun bei 13,1 Milliarden Euro.
Pro Einwohner entspricht dies einer Nettozahlung von rund 157 Euro. Damit steht Deutschland sowohl absolut als auch im Pro-Kopf-Vergleich weiterhin an der Spitze der Nettozahler. Die schwächere wirtschaftliche Lage zeigt sich jedoch deutlich: 2022 betrugen die Nettozahlungen noch 19,7 Milliarden Euro, 2023 waren es 17,4 Milliarden Euro.
Die größten Profiteure der EU-Mittel sind 2024 Luxemburg mit 560 Euro pro Kopf, bedingt durch besondere Programme wie das EU-Weltraumvorhaben, sowie die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen. In absoluten Zahlen erhielt Griechenland mit rund 3,5 Milliarden Euro den höchsten Betrag, gefolgt von Polen mit 2,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Polen mit 8,1 Milliarden Euro noch deutlich mehr Mittel bekommen.
Seit der Corona-Pandemie wird der EU-Haushalt durch den Wiederaufbaufonds NextGeneration EU ergänzt, der Investitionen in Digitalisierung und Klimaschutz unterstützt. Betrachtet man Haushalt und Fonds gemeinsam, tragen Österreich, Schweden und Irland im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftsleistung die größte Belastung – jeweils rund 0,5 Prozent. Deutschland liegt mit 0,35 Prozent an sechster Stelle. Auf der Empfängerseite führt Lettland mit 3,12 Prozent seiner Wirtschaftsleistung, gefolgt von Estland und Kroatien.
Expertinnen und Experten des IW weisen darauf hin, dass der EU-Haushalt die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse in Europa widerspiegelt. Wachstumsstarke Länder wie Polen erhalten mittlerweile weniger Unterstützung. Zugleich wird betont, dass insbesondere Deutschland und Frankreich derzeit wirtschaftlich unter Druck stehen, was sich in sinkenden Beiträgen zum EU-Haushalt zeige. Die Unterschiede in der wirtschaftlichen Dynamik innerhalb der EU seien so ausgeprägt wie seit Jahren nicht mehr.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 26.11.2025
