Chemie unter Druck, Pharma wächst weiter

Nima

Herstellanalge in der Produktion
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Die deutsche Chemie- und Pharmabranche entwickelt sich zunehmend unterschiedlich. Während die Pharmaindustrie im Jahr 2025 sowohl ihre Produktion als auch ihre Umsätze steigern konnte, bleibt die Lage in der Chemie angespannt. Nach Einschätzung von Nicole Bludau, Managerin Risk Services beim Kreditversicherer Atradius, hofft die Branche zwar auf eine wirtschaftliche Erholung, sieht sich jedoch weiterhin mit strukturellen Belastungen konfrontiert. Besonders im Chemiesektor wirken mehrere Faktoren gleichzeitig: hohe Energiepreise, eine schwache Nachfrage in Europa und zunehmender internationaler Wettbewerb.

Ein Blick auf die Auslastung zeigt die schwierige Situation: Ende 2024 lag diese in der Chemiebranche bei rund 73 Prozent und damit deutlich unter dem wirtschaftlich notwendigen Niveau von etwa 80 bis 85 Prozent. Auch bei den Auftragseingängen ergibt sich ein negatives Bild. Im Jahr 2025 gingen die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr um 5,4 Prozent zurück. Parallel dazu sanken Produktion und Umsatz um 3,3 beziehungsweise 3,8 Prozent. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Exportgeschäft mit Amerika aus, wo die Ausfuhren um 10,7 Prozent nachgaben, obwohl dieser Markt rund elf Prozent des gesamten Exportvolumens ausmacht.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor sind weiterhin die hohen Energiepreise in Deutschland, die im internationalen Vergleich deutlich höher liegen und teilweise ein Mehrfaches der Kosten in den USA erreichen. Zusätzlicher Druck entsteht durch geopolitische Entwicklungen, insbesondere im Nahen Osten, die zu weiter steigenden Preisen für Öl und Gas führen können. Für energieintensive Produktionen bedeutet das erhebliche Wettbewerbsnachteile. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor großen Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und Transformation. Bludau weist darauf hin, dass inzwischen auch in der Chemie- und Pharmabranche Insolvenzen auftreten. Banken bewerten Finanzierungen im Chemiesektor zunehmend kritischer, während sich Finanzierungspartner zurückhaltender zeigen. Sinkende Auftragseingänge erschweren zudem die Finanzierung notwendiger Innovationen aus eigener Kraft.

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Im Gegensatz dazu zeigt sich die Pharmaindustrie deutlich stabiler. Zwar lag der Auftragseingang im Dezember leicht unter dem Vorjahreswert, auf das Gesamtjahr 2025 betrachtet ergibt sich jedoch ein Wachstum von sieben Prozent gegenüber 2024. Auch Produktion und Umsatz entwickelten sich positiv und legten um 4,5 beziehungsweise 5,5 Prozent zu.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das Auslandsgeschäft: Über 60 Prozent der Umsätze werden international erzielt, wobei etwa ein Viertel der Exporte in die USA geht. Bludau betont, dass dieses Geschäft weiterhin eine tragende Rolle spielt, gleichzeitig aber auch Abhängigkeiten schafft, etwa durch handelspolitische Entwicklungen wie mögliche US-Zölle. Zusätzlich nimmt der Wettbewerbsdruck durch Anbieter aus Asien zu. Während die Chemiebranche mit globalen Überkapazitäten kämpft, profitiert die Pharmaindustrie von höheren Markteintrittsbarrieren, bleibt jedoch ebenfalls stark in internationale Lieferketten eingebunden.

Die Standortfrage gewinnt vor diesem Hintergrund zunehmend an Bedeutung. In den vergangenen Jahren haben mehrere Chemieunternehmen Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagert. Hohe Kosten, regulatorische Anforderungen und Veränderungen im globalen Handel beeinflussen Investitionsentscheidungen immer stärker. Sollte ein wachsender Teil von Innovation und Wertschöpfung außerhalb Deutschlands stattfinden, könnte dies die industrielle Basis langfristig schwächen. Bludau sieht in der Entwicklung der Pharmabranche ein Beispiel dafür, dass Wachstum auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist. Für die Chemiebranche werde das laufende Jahr entscheidend sein, um zu zeigen, ob sich die erhoffte wirtschaftliche Erholung einstellt oder strukturelle Wettbewerbsnachteile weiter zunehmen. Die kommenden Monate dürften daher nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für den Industriestandort Deutschland insgesamt richtungsweisend sein.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Atradius Kreditversicherung/Veröffentlicht am 16.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.