Das Armutsgefährdungsrisiko im Alter fällt in Deutschland deutlich niedriger aus, wenn nicht nur das Einkommen, sondern auch das vorhandene Vermögen der Haushalte einbezogen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Besonders groß ist dieser Unterschied bei Altersrentnerinnen und Altersrentnern.
Nach der üblichen Definition gelten 17,8 Prozent der Altersrentner als armutsgefährdet. Diese Quote basiert jedoch ausschließlich auf den laufenden Einkommen und lässt das Vermögen der Haushalte unberücksichtigt. Neue Berechnungen des IW auf Grundlage von Mikrodaten der Deutschen Bundesbank zeigen nun ein anderes Bild. Wenn auch das Nettovermögen berücksichtigt wird, sinkt die Quote auf elf Prozent. Für die Erhebung machten rund 4.000 Haushalte umfassende Angaben zu ihrer Einkommens- und Vermögenssituation.
Vermögen trägt wesentlich zur Absicherung im Alter bei
Nach Angaben der Studie verfügen Haushalte, in denen ein Altersrentner der gesetzlichen Rentenversicherung Hauptverdiener ist, im Durchschnitt über ein Nettovermögen von rund 313.000 Euro. Der Median liegt bei knapp 140.000 Euro. Die Deutsche Bundesbank hatte die Haushalte auch nach den wichtigsten Gründen für den Vermögensaufbau gefragt. Am häufigsten nannten die Befragten die Vorsorge für Notfälle, noch vor der Altersvorsorge. Daraus lässt sich ableiten, dass viele Haushalte ihre finanzielle Sicherheit im Alter nicht allein über laufende Renteneinkünfte, sondern zusätzlich über angespartes Vermögen absichern.
Reformdebatten greifen aus Sicht des IW zu kurz
Die Bundesregierung hat eine Alterssicherungskommission eingesetzt, die bis Sommer 2026 Vorschläge zur Weiterentwicklung des Rentensystems erarbeiten soll. Mehrere derzeit diskutierte Reformideen, etwa ein sogenannter Boomer-Soli, eine Akademiker-Rente oder eine stärkere Staffelung von Rentenansprüchen, werden unter anderem mit hohen Armutsgefährdungsquoten begründet.
Nach Auffassung des IW greift diese Argumentation jedoch zu kurz. Aus der Höhe einer gesetzlichen Rente allein lasse sich nicht zuverlässig ableiten, wie gut ein Haushalt im Alter tatsächlich abgesichert sei. Denn Vermögen in Form von Immobilien oder anderen Rücklagen bleibe in solchen Betrachtungen außen vor.
Der Rentenexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, Jochen Pimpertz, erklärte, dass die Rentendebatte derzeit auf einer nicht überzeugenden Datengrundlage geführt werde. In die Bewertung des Armutsrisikos fließe nicht ein, ob Haushalte zusätzlich erhebliche Vermögenswerte aufgebaut hätten. Dabei berücksichtigen Systeme der Mindestsicherung bereits heute sowohl Einkommen als auch Vermögen und seien deshalb zur Bekämpfung von Altersarmut zielgenauer. Pimpertz warnte davor, den Versicherungscharakter der gesetzlichen Rente auf Grundlage unvollständiger Armutszahlen zu verwässern, weil dadurch teure Fehlanreize entstehen könnten.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der Deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 19.05.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.
